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Investitionen in moderne Landtechnik in der Ukraine beschränken sich auf wenige Großbetriebe

Mittwoch, 01.06 2011

Die deutschen Landtechnikhersteller berichteten 2010 von einer vergleichsmäßig geringen Zunahme der Exporte in die Ukraine. Nach einem Rückgang von über 70% in 2009 stiegen die Exporte lediglich um 20%. Im Gegensatz zu Russland ist der Trend zu einer verstärkten lokalen Produktion oder Montage in der Ukraine nicht erkennbar. Die lokale Landtechnikindustrie ist in der Krisenzeit weiter geschrumpft und verfügt mit Ausnahme weniger Segmente wie z.B. Sätechnik über keine nennenswerte eigene Produktion.

Das geringe Marktwachstum entspricht nicht der eingefahrenen guten Getreide- und Ölsaatenernte. Auch wenn diese leicht unter dem Durchschnitt der letzten Jahre lag, konnte die ukrainischen Landwirte von recht guten Erträgen und gestiegenen Preisen profitieren. Dabei mussten sie ihre Ernte im Inland zu einem deutlichen niedrigeren Preis als auf den internationalen Märkten verkaufen. Der Grund dafür waren die eingeführten Getreideexportquoten, die zwar durchaus große Ausfuhrmengen an Weizen, Sonnenblumensaat und vor allem Mais (> 5 Mio. t.) zuließen, doch den Export in einem hohen Maßstab durch regierungsnahe Unternehmen monopolisiert haben. Trotz der zahlreichen nationalen und internationalen Proteste will die ukrainische Regierung weitere Schritte zur Reglementierung der Exporte unternehmen. Das ukrainische Parlament – Rada – prüft aktuell einen Gesetzesentwurf, der künftig nur den heimischen Großproduzenten bzw. Agrarholdings und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung den Export von Getreide und Ölsaat erlaubt. Die internationalen Getreidehandelsgesellschaften würden nur dann exportieren dürfen, wenn sie sich an der landwirtschaftlichen Produktion mit mindestens 50% beteiligen. Diese Entwicklung ist für viele besorgniserregend, da die marktwirtschaftliche Preisbildung im Land außer Kraft gesetzt wird. Die kleineren und mittelgroßen landwirtschaftlichen Betriebe müssen wohl künftig ihre Erzeugnisse deutlich unter den Weltmarktpreisen an die staatlichen Handelsgesellschaften verkaufen. Zu Beginn 2012 erwartet man in der Ukraine die Freigabe des Handels mit Agrarland. Einen Gesetzentwurf, der eine Verlängerung der Sperre um weitere drei Jahre vorsah, hat das Parlament in Kiew im Februar abgelehnt. Mit steigender Monopolisierung vieler Bereiche steht zu befürchten, dass bei einer raschen Zulassung freier Geschäfte mit Agrarland regierungsnahe Unternehmen Land unter dem eigentlichen Wert bekommen, während die anderen einen zu hohen Preis bezahlen müssen. Außerdem besteht die Gefahr, dass ein nicht unerheblicher Teil der Ackerböden zweckentfremdet wird. Einen großen Vorteil würde die Freigabe des Handels mit Agrarland dennoch bringen. Man hofft, dass der Boden als Kreditsicherung bei den Banken dienen kann. Das größte Problem in der Landwirtschaft der Ukraine stellt nach wie vor die Kreditklemme dar.

Die Förderprogramme für die Landwirtschaft bewegen sich auf einem historischen Minimum. Bei einer aktuellen Anfrage geben lediglich 3% der befragten 400 Landwirte an, bei ihren Investitionen auf die Förderprogramme zurückzugreifen. Die von den Banken angebotenen Kreditkonditionen liegen bei 25-30% p.a. Die Preise für Kraftstoff, Mineraldünger und Chemikalien sind 2010 enorm gestiegen, teilweise haben sie sich sogar verdoppelt. Auch hierzu bietet die Regierung keine Unterstützung an.

Die Kreditklemme ist im Wesentlichen der Grund für ein geringes Wachstum. Nur die großen landwirtschaftlichen Betriebe bzw. Agrarholdings sind aktuell in der Lage, in moderne Landtechnik zu investieren, da sie im Ausland Kredite bekommen bzw. sich mit internationalen Börsengängen Geld verschafft haben. Im aktuellen Jahr ist zwar mit einer weiteren Erholung zu rechnen, die auf verstärkte Investitionen der Großbetriebe zurückzuführen ist. Wenn man die gesamte Ackerbaufläche betrachtet, befinden sich nach unterschiedlichen Schätzungen immer noch über 60% aller Ackerböden in der Hand der Betriebe zwischen 100 und 2000 Ha. Diese können aufgrund der oben beschriebenen Reglementierung in einem geringeren Maße von der Gesamtentwicklung profitieren. Ihre Liquidität ist stark eingeschränkt und die Finanzierung nicht verfügbar. Sie müssen zwar dringend ihren Maschinenpark erweitern, kommen als potentielle Käufer nur für billige Maschinen aus der GUS und fernöstlicher Produktion bzw. gebrauchte Technik in Frage. Im vergangenen Jahr wurden rund 2/3 der Mähdrescher als gebrauchte Maschinen eingeführt.

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