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Donnerstag, 09.12 2010
Die meisten Märkte für moderne Landtechnik in Zentral- und Osteuropa sowie der GUS mussten in der Krisenzeit starke Einbußen hinnehmen. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise wirkte sich auf die Landwirtschaft negativ aus. Zu Beginn der Krise sind die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse deutlich zurückgegangen, wobei die Banken ihr Kreditvolumen für die Landwirtschaft deutlich eingeschränkt haben. In Russland, der Ukraine und Kasachstan haben sich die Investoren aus dem Rohstoffsektor auf ihre Kernkompetenzen konzentriert und ihr Geld aus den landwirtschaftlichen Projekten zurückgezogen. Die Märkte für moderne Landtechnik aus deutscher Produktion sind in den GUS-Staaten (mit Ausnahme von Belarus) und im Baltikum 2009 um 70 Prozent zurückgegangen, in Zentraleuropa um 40 Prozent. Nur die weiterhin von den Förderprogrammen profitierende Landwirtschaft in Polen und Rumänien hat sich krisenresistent verhalten. Im Jahr 2010 konnten sich die meisten Märkte erholen und befinden sich wieder auf dem Wachstumspfad.
Russland, 2008 nach Frankreich der zweitwichtigste Exportmarkt für die deutschen Landtechnikhersteller, hat bis Mitte dieses Jahres deutliche Zuwächse verbuchen können. In einigen Bereichen, wie z. B. bei Einzelkornsämaschinen, Bodenbearbeitungs-, Zuckerrübenerntetechnik und der Ausrüstung für die Tierhaltung haben sich die deutschen Exporte verdoppelt. Dagegen sind die Ausfuhren von Mähdreschern und Traktoren, den umsatzstärksten Landtechnikprodukten, auf dem niedrigen Vorjahresniveau geblieben. Das ist zum einen auf die große Dürre und die daraus resultierende schlechte Getreideernte, zum anderen auf die verstärkte Produktion von Traktoren und Mähdreschern in Russland zurückzuführen. Führende internationale Hersteller wie Claas, CNH und John Deere produzieren mittlerweile in Russland. Das im August verhängte Verbot für Getreideexporte und die angekündigte Reduzierung der Subventionen für Agrarbetriebe als Zugangsvoraussetzung für den WTO-Beitritt haben die Stimmung in der russischen Landwirtschaft etwas getrübt. Steigende Inlandspreise für Getreide, Ölsaaten und Kartoffeln sowie bessere Finanzierungsmöglichkeiten geben jedoch Anlass zu Optimismus für das kommende Jahr.
Eine ähnliche Entwicklung gab es 2010 auch in der Ukraine. Im Gegensatz zu Russland konnten die ukrainischen Agrarbetriebe eine recht gute Getreide- und Ölsaatenernte einfahren, auch wenn diese leicht unter dem Durchschnitt der letzten Jahre lag. Das größte Problem in der Ukraine bleibt die Kreditklemme auf dem Markt. Kredite in Nationalwährung sind schwer zu bekommen bzw. mit Zinssätzen von über 25 Prozent unerschwinglich. Nur die großen landwirtschaftlichen Betriebe bzw. Agrarholdings sind aktuell in der Lage, in moderne Landtechnik zu investieren, da sie im Ausland Kredite bekommen bzw. sich mit internationalen Börsengängen Geld verschafft haben. Die kleineren und selbst mittelgroßen Betriebe müssen auf gebrauchte Technik ausweichen. Der durchaus positiven Stimmung in der ukrainischen Landwirtschaft wurde durch die eingeführten Getreideexportquoten ein Dämpfer versetzt. Nach Expertenmeinung dient diese Maßnahme nicht der Vermeidung eines Preisanstiegs im Land selbst, sondern der Monopolisierung der Getreideexporte durch regierungsnahe Kreise.
Die Landwirtschaft in Belarus verfügt aktuell über den modernsten Maschinenpark in der GUS. Das ermöglicht den Betrieben, hohe Hektarerträge zu realisieren. Traditionell stark in Belarus sind der Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben, Futterkulturen sowie die Milchproduktion. In den vergangenen Jahren wurden hohe Überschüsse, vor allem im Export nach Russland, erwirtschaftet. Obwohl Belarus selbst Landtechnik produziert, wird gern in Importtechnik investiert, während eigene Traktoren und Landmaschinen exportiert werden.
Die Märkte in Zentralasien, allen voran Kasachstan, kommen erst langsam aus der Krise heraus. Kasachstan verfügt über ein investorenfreundliches Bankensystem. In der Boomzeit hatte es den Vorteil, dass genug Liquidität im Markt war. In der Krisenzeit zogen die Investoren ihr Geld ab, was zu Liquiditätsengpässen führte. Sogar einige staatliche Verpflichtungen wurden mit Verzögerung bedient. Allmählich bessert sich die Lage, was vor allem auf die steigenden Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Eine weitere Investitionswelle in moderne Landtechnik ist in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erwarten. Denn viele Maschinen sind bereits vier bis fünf Jahre im Markt und müssen einer extremen Belastung standhalten. Traditionell stehen die deutschen Hersteller von Bodenbearbeitungs- und Sätechnik in starker Konkurrenz zu Anbietern aus Nordamerika. Auch die Nachbarländer Turkmenistan und vor allem Usbekistan haben noch viel Potential in der Landwirtschaft. Leider trifft hier nicht der Landwirt selbst, sondern der Staat Entscheidungen, in welche Technik investiert wird.
Unter den Märkten in Zentraleuropa hat sich vor allem Polen als Fels in der Brandung erwiesen. Der Markt ist über die Krisenzeit auf einem hohen Niveau stabil geblieben und 2010 sogar weiter gewachsen. Mittlerweile ist Polen nach Frankreich und Großbritannien der drittwichtigste Markt für deutsche Landtechnik in der EU – die umfangreichen Förderprogramme entfalten somit ihre Wirkung. Die überwiegend kleineren Betriebe investieren erst nach und nach in neue Maschinen. Es gibt sogar ein weiteres, wenn auch leichtes, Wachstumspotential. Profitieren sollen vor allem die Milchvieh- und Kartoffelanbaubetriebe, die gute Absatzchancen im Export in die EU, aber auch in die GUS haben.
Anders als in Polen dominieren in Tschechien und der Slowakei große Betriebe mit über 500 Hektar. Nach einem spürbaren Einbruch in der Krise ging es 2010 wieder aufwärts. Denn beide Märkte verfügen über modernste Technik. Daher ist der Modernisierungsbedarf relativ gering. Nichtsdestotrotz sind hohe Ersatzinvestitionen erforderlich, da die Maschinen stark beansprucht werden.
Gut ausgestattete landwirtschaftliche Betriebe findet man auch in Ungarn. Durch immer wieder nachgelegte Fördermaßnahmen wurden die ungarischen Landwirte „verwöhnt“ und warten ab, ob noch etwas nachkommt. Der Markt stagniert aktuell auf einem stark geschrumpften Niveau. Auch hier sind Impulse über Ersatzinvestitionen zu erwarten. Diese dürften erst in zwei bis drei Jahren zum Tragen kommen.
Stark aufwärts ging es in diesem Jahr im Baltikum. Wichtige Impulse kommen aus dem Futtermittelanbau, der Milch- und Fleischerzeugung. Auch diese Märkte profitieren von einem steigenden Lebensmittelbedarf in Russland, der hervorragende Exportaussichten verspricht, wenn keine politischen Querelen im Wege stehen.
Auch die Förderprogramme in Rumänien sind sehr wirkungsvoll. Deutsche Exporte nach Rumänien haben selbst in den Krisenjahren weiter zugenommen. Das Potential in der rumänischen Landwirtschaft bleibt immens hoch. Rumänien wird von den meisten Experten mittelfristig als der zweitwichtigste Markt hinter Zentraleuropa gesehen. Aktuell liegt der Absatz von Traktoren und Landmaschinen bereits vor Ungarn und der Slowakei, noch knapp hinter Tschechien. Um das Potential nutzen zu können, müssen vor allem die mittelgroßen Betriebe (50 bis 200 Hektar) wirksam unterstützt werden. Dies ist bisher nur begrenzt der Fall gewesen, was vor allem an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten (Kofinanzierungsanteil) gelegen hat. Im Sinne des VDMA Landtechnik und des rumänischen Verbandes APIMAR dürfen die Förderkriterien allerdings nicht zu Lasten des Ackerbaus verändert werden, denn hier liegen demnach die großen Vorteile der rumänischen Landwirtschaft.
Rumänien, aber auch Bulgarien haben 2010 eine sehr gute Getreide- und Ölsaatenernte eingefahren und können ihre Überschüsse exportieren. Beide profitieren von der Einschränkung der Exporte in Russland und der Ukraine. In Bulgarien wurden die Mittel innerhalb der Fördermaßnahme 121 (Technische Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe) bereits 2009 komplett ausgeschöpft. Dies ist zum einen auf einen starken Modernisierungsbedarf zurückzuführen, zum anderen auch auf falsche Planung. Andere Maßnahmen verfügen noch über 90 Prozent der budgetierten Mittel, sodass diese vertragsgemäß wieder nach Brüssel abfließen müssen. Eine Umverteilung der Mittel fand bisher nicht statt. Entsprechend ist der Markt für moderne Landtechnik 2010 um die Hälfte geschrumpft. Der bulgarische Verband der Landtechnikindustrie BATA und der VDMA Landtechnik beziehen Stellung und fordern eine wirksame Förderung für die bulgarischen Agrarbetriebe.
Im Zuge der Annährung von Kroatien, Mazedonien und künftig wohl auch Serbien an die EU eröffnen sich dort neue Chancen für landwirtschaftliche Betriebe. Sie hoffen auf finanzielle Unterstützung durch sogenannte Vorbeitrittsprogramme, die in Kroatien bereits angelaufen sind. Hier rechnen die deutschen Landtechnikhersteller in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Umsatzwachstum.
Die deutsche Landtechnikindustrie im VDMA
Rund 160 Mitgliedsunternehmen, die im VDMA Landtechnik organisiert sind, repräsentieren über 90 Prozent des Branchenumsatzes in Deutschland. Insgesamt arbeiten bei den etwa 210 deutschen Landtechnikherstellern (mit mehr als 20 Beschäftigten) rund 29.000 festangestellte Mitarbeiter. Die Landtechnikindustrie hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Wandlungsprozess in Richtung Globalisierung mitgemacht. Es gibt in der Landtechnikbranche mittlerweile einige große multinationale Konzerne mit starken internationalen Verflechtungen. Daneben bestehen viele mittelständische Unternehmen, die häufig noch als Familienunternehmen geführt werden. Zusammen genommen werden die VDMA-Mitgliedsunternehmen im Jahr 2010 einen Landtechnikumsatz aus deutscher Produktion von zirka 5,2 Milliarden Euro erzielen. Nach einem krisenbedingten Einbruch in der Landtechnikproduktion zeichnet sich ein deutliches Wachstum im zweiten Halbjahr 2010 ab. In den Ländern Zentraleuropas und der GUS punkten die deutschen Landtechnikhersteller vor allem mit modernsten Technologien, hoher Zuverlässigkeit der Maschinen und einer kompetenten Vertretung vor Ort.
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Schlagworte: Agrartechnik, Export, Vdma
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